
Liebe Gemeindeglieder, gern hätte ich Sie noch ein paar Jahre weiter begleitet, denn jetzt erst - nach fast drei Jahren - fühle ich mich so richtig "fest im Sattel". Es braucht eben einige Zeit, bis man warm wird. Meine Familie und ich, wir haben gern in der Bahnhofsvorstadt mit ihrer hohen Lebensqualität gelebt. Doch mein Auftrag war von Anfang an begrenzt und die Umstände in der Kiliansgemeinde erfordern für die zukünftige Leitung viel Erfahrung und eine starke Hand. So muss ich nun Abschied von Ihnen nehmen und schon wieder umziehen und neue Erfahrungen sammeln. Leicht fällt mir das nicht, aber das ist leider ein Teil des Pfarrerlebens: man muss auf "ewiger" Wanderschaft bleiben. "Ewig" ist natürlich stark übertrieben, denn schließlich haben wir alle ein endgültiges Ziel bei Gott und bevor wir nicht dieses Ziel in seiner Ewigkeit erreicht haben, sind wir im Prinzip alle Wanderer auf dieser Erde. Paul Gerhardt schreibt in seinem Lied "Ich bin ein Gast auf Erden" (EG 529) in der sechsten Strophe: "So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt, da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird." Ich verlasse Sie im Bewusstsein und in der Gewissheit, dass wir alle teilhaben am Leib Christi und an der weltweiten Gemeinschaft der Christen, dass wir zusammengehören, auch wenn wir getrennt sind. Ich bedaure, dass ich mich nicht von jedem von Ihnen persönlich verabschieden kann - denn wo fange ich an und wo höre ich auf, und bestimmt würde ich dann in all der Hektik zum Schluss jemanden vergessen, für den ein persönliches Lebewohl auch wichtig gewesen wäre. Ich hoffe natürlich, dass ich am 25. Juni noch vielen von Ihnen die Hand drücken darf, aber Abschiedsbesuche bei Ihnen zuhause - das schaffe ich nicht mehr! Ich danke Ihnen für die Herzlichkeit, mit der Sie mich empfangen und aufgenommen haben und für das Vertrauen, das Sie mir geschenkt haben. Ich war gern Ihre Pfarrerin! Gott behüte Sie! Ihre Sylvia Unzeitig mit Familie
Web: Hartmut Springer